Philosophie

Aufbauend auf der Tradition der russischen Tanz-Technik entwickelte sich meine Schule zu einer Talentschmiede hochbegabter Schüler die den lagen Weg zum professionellen Tanz wählen. Von Anfang an war mir bewusst, was für ein gewaltiges Potenzial an Idealismus und Kraft in der sogenannten “Provinz” steckt.

ingrid_heinze

Doch bis es soweit war, hieß es, Klischee-Vorstellungen in Sachen Ballett auszuräumen. Es dauerte lange bis ich den Schülern, den Eltern aber auch der Öffentlichkeit klarmachen konnte, dass Ballett nicht “Popo rechts und Popo links und Beinchen hoch” hieß, man auch nicht unbedingt “Tutu” und Spitzenschuhe anziehen muss, um mit Tanz – dem TANZ – Freude und Spaß zu haben. Trotz allem ist es für mich wichtig, mit absoluter Konsequenz im Hinblick auf das Kommende, Professionalität auch in Kinder – und Laienstunden zu wahren. Der Satz “machen wir ein bisschen Ballett”, ist bei mir vollkommen unangebracht und fehl am Platz. Denn auch die Kleinen und Großen spüren auf Dauer, ob man ihnen etwas vorgaukelt, oder es ernst und richtig meint.

Es mir wichtig gerade bei jungen Tänzern Begabungen zu entdecken und zu fördern. Das geht aber nur mit einem konsequenten Aufbau von unten nach oben. Das heißt, mit 4 Jahren bestimmt keine Spitzenschuhe, hartes Stangentraining mit großen Sprüngen, die diese kleinen, sich in der Entwicklung befindenden Körper nicht abfangen können. Sich selbst entdecken, der Phantasie freien Lauf lassen, das große Instrument “Körper” spielen lernen. Ein breites Spektrum abzustecken, in dem schon mancher seine Stilrichtung, nicht nur im klassischen Ballett gefunden hat.

Nicht alle träumen von einer großen Tanzkarriere. Viele kommen aus Spaß an der Bewegung ins Klassische Ballett, den Modern Dance, den Jazz- oder Steptanz, ins Spanische, das Schauspiel oder ins Musical. Weil sie Freude empfinden, die Ausdrucksmöglichkeiten des Körpers im Wechselspiel von Rhythmus und Bewegung kennen zu lernen um sich damit selbst zu entdecken. Auch diesen Schülern gegenüber fühle ich mich verpflichtet Ballett, Tanz und Bewegung professionell zu lehren. Wird man als kleines Kind mit “Tanz” in Berührung gebracht, so entwickelt sich oft eine tiefgehende Beziehung und der Wunschtraum “Ballerina” zu werden.

Ich kann nur warnen! Das größte Talent scheitert am Körperbau, an Energie, Gesundheit, Charakter und Selbstdisziplin. Anne Wollins, die das Stuttgarter Ballett und John Cranko aufbaute, sagte:

“Ballett ist kein Beruf für schwache, unentschlossene und faule noch, ist es eine Karriere für arrogante und kalte Menschen.”

Tanz – Ballett ist für jedermann.

Tanz – Ballett als Beruf ist Sache für wenige. Begabungen sind angeboren, machen kann ich sie nicht – aber entdecken und fördern.